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Man muss alles so genau studieren, dass man nur kleine Irrtümer begeht – denn die absolute Wahrheit enthüllt sich selten. (Hippokrates)
Wie schnell aus angeblich bewiesenen Forschungen Schulweisheiten werden können, zeigt Ihnen sehr schön die Geschichte des Physiologen Emil Abderhalden (1877 – 1950) und die von ihm „entdeckten“ Abwehrfermente. Ich versuche es kurz zu machen. Abderhalden war der Meinung spezielle Proteine durch seine Forschungen entdeckt zu haben, die er letztlich Abwehrfermente nannte. Das war 1909. Zahlreiche Tests von ihm, aber auch anderen Wissenschaftlern, bestätigten scheinbar seine Entdeckung. Ein Biochemiker, Leonor Michaelis, zweifelte schon 1914/15 an Abderhaldens Tests. Die Konsequenz für die Kritik war der Verlust von Michaelis wissenschaftlicher Reputation. Von 1932 bis offiziell 1950 war Abderhalden Präsident der Leopoldina in Halle, einer der bekanntesten wissenschaftlichen Akademien Deutschlands. Allerdings übte er diese Funktion ab 1945 nicht mehr aus. Wie auch immer, man sollte sich vor Augen halten, dass Emil Abderhalden 18 Jahre offiziell der Präsident einer der renommiertesten, deutschen, wissenschaftlichen Akademien war. Kritik an einer solchen Autorität war (und wäre wohl auch heute ?) nicht möglich. Original Zitat von der Wikipedia Seite über Emil Abderhalden: „1998 erschien eine Studie im Wissenschaftsjournal Nature, die belegt, dass grosse Teile von Abderhaldens Arbeiten, und zwar die „Abwehrfermente“-Theorie und auf ihr basierende „Erkenntnisse“, wissenschaftlich nie belegbar waren, dass jedoch große Teile des wissenschaftlichen Establishments im Deutschen Reich aufgrund von Abderhaldens Reputation nicht wagten, diese zum Teil durch Fälschungen „belegten“ Theorien zu kritisieren oder sich gar durch Manipulation von Forschungsergebnissen zu Komplizen machten.“ Den kompletten Text finden Sie auf der Wikipedia Seite.
Auch wenn seine Geschichte hauptsächlich vor und während der Nazizeit spielt, sollte man sich vor Augen halten, dass es ähnliche Geschichten schon immer gegeben hat und wohl auch immer wieder geben wird.
Und ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit zeigt uns, dass ähnliches heute tatsächlich noch möglich ist.
TAZ.de: Schmerzforscher erfand Ergebnisse - Schmerztherapie-Studien gefälscht
Im Zusammenhang mit Studien, Wissenschaftlichkeit und den Interessen eines Pharmakonzerns ist auch die folgende Nachricht nicht gerade geeignet Vertrauen zu schaffen.
TAZ.de: Bittere Pille für Merck
2001 fand ich in „A
Cancer Patient's Guide to Complementary
and Alternative Medicine, 2nd edition, Duke University Medical Center
and Cancer Center of Santa Barbara, November, 2000“ einen
Hinweis, den
ich hier im Original in Englisch zitiere: „Assessment issued a report in
1978 entitled 'Assessing the Efficacy and Safety of Medical
Technology'.1 This report indicates that only 10 - 20% of medical
procedures have been shown to be of benefit. Many common treatments had
never been evaluated by clinical trials. In addition, up to 75% of
studies published at that time had 'invalid or unsupportable
conclusions as a result of statistical problems'. Few well-designed
trials were found and the
preponderance had positive results, indicating that studies with
negative results are less likely to be published.“
Sehr
vereinfacht und verkürzt übersetzt heißt das: Nur 10 – 20 % aller
medizinischen
Anwendungen haben positive Wirkungen gezeigt. Zahlreiche generell
übliche Behandlungen sind nie durch klinische Studien bewertet
worden.
Im Zusammenhang mit dem zitierten Text ging es nicht um komplementäre
Therapien sondern um konventionelle Behandlungsmethoden.
Werner Bartens schreibt in seinem sehr interessanten Buch „Sprechstunde“ (Knaur TB Verlag, 2008) auf Seite 162: „Aus Untersuchungen ist bekannt, dass zwischen 50 und 60 Prozent aller medizinischen Handlungen nicht wissenschaftlich belegt sind. Deshalb sind sie nicht automatisch falsch. Aber im Rahmen der evidenzbasierten Medizin, die versucht, die besten wissenschaftlichen Beweise für Diagnostik und Therapie zu finden, sind in der Vergangenheit etliche vermeintlich eherne Wahrheiten der Medizin als Irrtümer entlarvt worden.“
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Was ist nun evidenzbasierte Medizin? Hier der Anfangstext der Wikipedia Seite Evidenzbasierte Medizin
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Eine im Zusammenhang mit der Wissenschaftlichkeit interessante Diskussion ist das für und wider von Statinen, sogenannten Cholesterinsenkern und die Auswirkungen der Höhe (ab welchem Wert) des Cholesterinspiegels auf die Entstehung bestimmter Krankheiten. Es gibt zahlreiche Ärzte und Wissenschaftler, die die Schulmeinung dazu schon seit vielen Jahren kritisieren. Nur hörte man bis vor kurzem kaum oder nur selten davon.
Ein Auszug aus der Wikipedia Seite Cholesterin: “Die wissenschaftliche Qualität der fast ausschließlich von Herstellern finanzierten Medikamentenstudien zum Thema Cholesterinsenkung wird in Frage gestellt. So bezeichnete etwa im Jahr 2005 das deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die wissenschaftliche Qualität der vorliegenden Statin-Studien generell als „mangelhaft“. Besonders die als einer der wichtigsten Belege für den Nutzen einer Statin-Behandlung angeführte 4S-Studie steht methodisch erheblich in der Kritik.“ [...] Nach einer Untersuchung aus dem Jahr 2001 werden etwa 3 % des Marketingbudgets der Pharmaindustrie – im Falle von cholesterinsenkenden Präparaten entspräche dieser Anteil jährlich einem dreistelligen Euro-Millionenbetrag – in Form von substanziellen Zuwendungen an eine relativ kleine Gruppe von meist international, national oder regional bekannten Professoren ausgeschüttet.“
Prof. Dr. med. Walter Hartenbach ist einer der Kritiker und hat das mit deutlichen Worten in seinem sehr emotional geschriebenen Buch „Die Cholesterin-Lüge: Das Märchen vom bösen Cholesterin“ (F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 2002) gezeigt. Er nennt in seinem Buch, und das ist doch eher selten, die Autoren von Anti-Cholesterin Publikationen - und wer sie finanziell unterstützt hat. Das waren (und sind wohl bis heute?) Pharmakonzerne und in dem Zusammenhang sehr interessant, Hersteller von Margarine! Und wenn dann noch das Deutsche Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen die wissenschaftliche Qualität der vorliegenden Statin-Studien generell als „mangelhaft“ bezeichnet, gibt das schon zu denken, oder etwa nicht? Es gibt noch weitere Bücher und Informationsquellen, die sich mit diesem Thema kritisch auseinandersetzen. Ein empfehlenswertes Buch ist auch „Mythos Cholesterin: Die größten Irrtümer von Uffe Ravnskov.“
Die Cholesterin
Diskussion ist hier nur als ein Beispiel aufgeführt. Aber sie zeigt,
dass vieles, das auf den ersten Blick für den Laien
scheinbar
hundertprozentig wissenschaftlich bewiesen erscheint, es
dann wohl
doch
nicht immer ist.
Ich bin aber wie immer der Überzeugung; letztlich sollte sich
jeder
Mensch informieren und dann das tun, was er für richtig hält,
wenn er
betroffen ist. Auch wenn
die Cholesterin Diskussion sehr umstritten
ist, und ich hier die Kritik hervorhebe, um aufzuzeigen wie schwierig
es mit der "Wissenschaftlichkeit" ist - bei genetisch
bedingten sehr
hohen Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie) ist eine
Behandlung auf jeden Fall sinnvoll. Im Detail
geht es bei der
ganzen Diskussion um die Grenzwerte. Das heißt, ab welchem Wert sollte
eine Behandlung erfolgen. Die Kritiker vertreten meist die Meinung,
dass der Wert sehr willkürlich gesetzt ist und vor allem der
Pharmaindustrie zugute kommt. Denn nach der derzeit gültigen Vorgabe
müssten geschätzt 60% - 80% aller Bundesbürger über 40 Jahre Statine
nehmen
- und wären damit Patienten auf Lebenszeit. In diesem
Zusammenhang auch noch ein Link zu einem interessanten Artikel
im Forum-Gesundheitspolitik:
52%
der Verfasser von Cholesterin- und Diabetes-Leitlinien in Nordamerika
haben offen und verdeckt finanzielle Interessenkonflikte.
Um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen; ich bin nicht gegen konventionelle medizinische Behandlungen und Medikamente. Für viele Menschen sind die Möglichkeiten der modernen Medizin ein Segen. Aber man sollte vielleicht auch bedenken, dass Pharmakonzerne weder gemeinnützige Gesellschaften noch Wohltätigkeitsvereine sind. Wie jedes andere Unternehmen auf der Welt wollen auch Pharmakonzerne möglichst viel Geld zu verdienen. Das ist in Ordnung. Man sollte sich das jedoch vor Augen halten.
Folgend finden Sie nun noch einige Links zu Webseiten und Buchempfehlungen, die im Zusammenhang mit der „Wissenschaftlichkeit“ auch sehr interessant sind.
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Von der
Universität Hamburg:
„Wie
wirksam sind
Medikamente wirklich?
Verschwindet ein Symptom nach der Gabe eines Medikaments, muss dies
nicht unbedingt am Medikament liegen. Wir zeigen Ihnen, wieso.“
Auch eine aktuelle Broschüre über Darmkrebs (Früherkennungsuntersuchungen) und etliche weitere, hilfreiche Infos finden Sie auf der Website der Universität Hamburg Fachrichtung Gesundheitswissenschaften. |
„Mit bissigem Humor berichten zwei Insider über Naivität und Dummheit in der modernen Wissenschaft und über deren Konsequenzen für unseren Alltag.“ Das ist nur ein Satz aus der Beschreibung des Buches „Der Hund, der Eier legt: Erkennen von Fehlinformation durch Querdenken“. Dies herzerfrischend offene Buch stammt aus der Feder zweier Wissenschaftler. Die beiden Autoren sind Privatdozent Dr. Hans-Hermann Dubben und Prof. Dr. Hans-Peter Beck-Bornholt, die beide am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (Institut für Allgemeinmedizin/Institut für Rechtsmedizin) lehren und forschen. Das Buch ist erstmalig 2006 erschienen im Rowohlt Taschenbuch Verlag. Inzwischen gibt es die 4. Auflage (2009). Jedem zu empfehlen, der nicht alles glaubt, was so geschrieben wird und „angeblich“ wissenschaftlich belegt ist. Gleichfalls ein sehr gutes Buch der beiden oben genannten Autoren ist „Der Schein der Weisen: Irrtümer und Fehlurteile im täglichen Denken“, erschienen ebenfalls im Rowohlt Taschenbuch Verlag.
In diesem Zusammenhang zwei interessante Links zu Internetseiten über und mit Dr. Hans-Hermann Dubben.
Morgenpost.de: Warum Sie den Krebs einfach aussitzen können
Hans-Hermann Dubben auf Wikipedia: Dort können Sie auch ein interessantes Dokument als PDF Datei herunterladen: Unausgewogene Berichterstattung in der medizinischen Wissenschaft ISBN 3-00-014238-X. Verlag: Institut für Allgemeinmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, 2004.