Die untreue Frau

Er hatte sich mit dem Privatdetektiv in einem Gartenlokal außerhalb der Stadt verabredet. Niemand sollte sie zusammen sehen, auch wenn es unwahrscheinlich war, dass irgend jemand hier diesen Schnüffler kannte.
von Frank Wobst


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Es war ein lausiger Frühlingstag, typisches Aprilwetter, windig und nasskalt. Auf dem Parkplatz standen nur vier Autos. Einer fiel ihm auf, ein kleiner grüner Fiat Panda. In ihm saß allein eine Frau.

Im Lokal saß in einer Ecke der Detektiv und Uwe steuerte geradewegs auf ihn zu.
"Was haben Sie heraus gefunden?", platzte es ohne eine Begrüßung gleich aus ihm heraus.
"Setzen Sie sich erst Mal. Vielleicht bestellen Sie sich erst mal lieber einen Cognac. Ich könnte auch einen vertragen, bei dem lausigen Wetter", begann der Detektiv.
"Ich will von Ihnen keine schlauen Sprüche. Was ist nun bei Ihren Ermittlungen heraus gekommen?" Uwes befehlsgewohnte Stimme ließ den Detektiv in seine Aktentasche greifen. Er zog einen Umschlag mit Fotos hervor und drückte ihn Uwe ohne einen Kommentar in die Hand.

Die Bilder hatten eine miserable Qualität, waren dunkel und ziemlich unscharf. Aber eine Person war zweifelsfrei Lisa, seine Frau. Uwe sackte in sich zusammen. Das konnte doch nicht sein, das konnte doch nicht wahr sein. Lisa betrog ihn tatsächlich. Er konnte es nicht fassen. Mit vor Wut zitternden Händen blätterte er wieder und wieder durch die Fotos. Dass Lisa ihn betrog war schon unfassbar, aber das was er hier sah, raubte ihm fast den Verstand. Lisa mit einer Frau. Lisa betrog ihn mit einer Frau. Das war ganz offensichtlich. Die Fotos sprachen für sich. Auch wenn von der Frau nicht viel zu erkennen war, eines war sicher, es war kein Mann, es war eine Frau.

"Warum, warum tut sie mir das an?", schimpfte Uwe vor sich hin und trat voller Wut auf das Gaspedal. Der schwarze BMW glitt über die nasse Straße durch den dichten Regen.
Der Detektiv hatte noch einiges zu ihm gesagt, bevor er ihm die Rechnung präsentiert hatte. Aber Uwe hatte gar nicht richtig zugehört. Seine Lisa. Wenn er jemanden so etwas nicht zugetraut hatte, dann seiner Lisa. Ihm hatte sie immer vorgehalten, dass er sie betrügen würde, und jetzt das.

Na ja, zugegeben, sagte er sich, ich hatte meine Affären. Aber bei Männern ist das was anderes. Er schüttelte den Kopf. Vor ihm tauchte der grüne Fiat Panda, der auf dem Parkplatz gestanden hatte, auf. Uwe erinnerte sich an die Frau im Wagen. Der Panda fuhr mal gerade 80 km. Für Uwe viel zu langsam. Er setzte zum Überholen an. "Frau am Steuer, typisch", schimpfte er laut vor sich hin.

Aber schon kehrten seine Gedanken wieder zu seiner Ehe zurück. Ja, er hatte seine Liebschaften gehabt, aber er hätte Lisa nie wegen einer anderen Frau verlassen. Und hatte er ihr nicht immer zum Geburtstag und zum Hochzeitstag ein erlesenes Schmuckstück geschenkt? Sicher, es war immer Schmuck nach seinem Geschmack gewesen, und Lisa trug wenig, und wenn überhaupt, am liebsten schlichten Silberschmuck. Wofür hatte er sich denn die ganzen Jahre aufgeopfert? Doch nur für sie. Zugegeben, dass er dabei Karriere gemacht hatte, erfüllte ihn mit Stolz und Genugtuung. Zugegeben, im Bett war zwischen Lisa und ihm nicht mehr viel passiert in den letzten zwei Jahren.

Aber die vielen Reisen und Stunden im Büro; dass Frauen das nicht verstehen wollen. Er hatte nun mal keinen acht Stunden Tag und keine fünf Tage Woche. Aber dafür besaßen sie ein herrliches Haus mit einem riesigen Garten. Und letztes Jahr hatte er einen Swimmingpool bauen lassen. Sie hatten ein Ferienhaus auf Ibiza, drei Autos. Warum konnte Lisa nicht begreifen, dass das alles nur möglich war, weil er sich in seinem Beruf engagierte? Neulich hatte sie zu ihm gesagt, das wäre nicht das wichtigste im Leben. Sie vermisse Zärtlichkeit und Nähe. Wenn er abends nach Hause kam, war er halt kaputt und hatte einfach keine Lust. Zugegeben, ab und wann, nein ehrlich gesagt immer, lag es auch daran, dass er sich seine Befriedigung woanders holte. Aber bei Männern ist das was ganz anderes. Na ja, und mit Lisa, es ist halt nicht mehr so wie früher, gestand er sich ein. Aber muss sie mich deswegen gleich betrügen? Der werde ich es zeigen. Die wird sich umgucken. Das schöne Leben auf meine Kosten ist vorbei.

Der Regen nahm zu, wurde immer stärker, die Sicht immer schlechter. Durch den nassen Schleier tauchten plötzlich zwei große Bremslichter vor dem Wagen auf - ein LKW. Uwes Fuß wechselte zum Bremspedal. Aber es kam nur eine minimale Reaktion. Die Bremsen funktionierten nicht richtig. Das auch noch, schoss ihm durch den Kopf. Er riss das Lenkrad nach links, aber der schwere Wagen driftete nach rechts ab und raste auf eine stämmige, alte Eiche zu. Was hatte der Privatdetektiv noch gesagt?
"Die Geliebte ihrer Frau ist Automechanikerin. Ungewöhnlicher Beruf für eine Frau, oder?" War auf dem Fiat Panda nicht eine Werbung für eine Reparaturwerkstatt gewesen? "Diese verfluchten Weiber", konnte er noch gerade noch wütend brüllen. Dann krachte der BMW gegen die stämmige, alte Eiche und Uwes Kopf schlug durch die Frontscheibe. Anschnallen hatte er immer als unmännlich empfunden.

Über den Autor   Text © 2004 by Frank Wobst. All Rights reserved.


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